Betriebsanweisung

nach § 14 GefStoffV

 

für das Institut für Organische Chemie

der Universität Würzburg

 

 

 

Allgemeine Laborordnung

 

 

 

Beim  Umgang mit gasförmigen, flüssigen oder festen Gefahrstoffen sowie mit denen, die als Stäube auftreten, haben Sie besondere Verhaltensregeln und bestimmte Schutzvorschriften zu beachten.

 

 

 

Vorbemerkung:

 

Gefahrstoffe sind Stoffe oder Zubereitungen, die

 

sehr giftig (T+)                                explosionsgefährlich(E)                krebserzeugend

giftig (T)                                           brandfördernd (O)                          fruchtschädigend

gesundheitsschädlich (Xn)           hochentzündlich (F+)                     fortpflanzungsgefährdend

ätzend (C)                                       leichtentzündlich (F)                       sensibilisierend

reizend (Xi)                                     entzündlich                                      umweltgefährlich (N)

 

sind, sowie Stoffe, die sonstige chronisch schädigende Eigenschaf­ten besitzen oder aus denen bei der Herstellung oder Verwendung gefährliche oder explosionsfähige Stoffe oder Zubereitungen ent­stehen oder freigesetzt werden können. Stoffe und Zubereitungen, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, zählen ebenfalls zu den Gefahrstoffen.

 

Der Umgang mit Stoffen, deren Ungefährlichkeit nicht zweifelsfrei feststeht, hat so zu erfolgen wie der mit Gefahrstoffen.

 

Die Aufnahme der Stoffe in den menschlichen Körper kann durch Einatmen über die Lunge, durch Hautresorption sowie über die Schleimhäute und den Verdauungstrakt erfolgen.

 

 

Für das Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg gelten Betriebsanweisungen, die sich in folgende drei Hautgruppen aufgliedern:

 

Teil 1: diese allgemeine Laborordnung

Teil 2: stoffgruppenbezogene Betriebsanweisungen (UW-B)

Teil 3: spezielle Einzelbetriebsanweisungen (insbesondere UW-A, UW-C, UW-G )

 


1.  Grundregeln:

 

1.01    Das Institut ist geöffnet während der Arbeitszeit der Ange­stellten und Arbeiter. Wissenschaftliche Mitarbeiter können außerhalb der Öffnungszeit arbeiten, wenn dies vom Leiter des jeweiligen Arbeitskreises gebilligt wird.

 

         Grundsätzlich ist dabei jedoch folgendes zu beachten:

 

1.02    Unbefugte haben keinen Zutritt.

 

1.03    Vor dem Umgang mit Gefahrstoffen und vor der Durchführung von Versuchen bei denen evtl. Gefahrstoffe freigesetzt werden könnten, muss das Gefahrenpotential ermittelt werden; die notwendigen Schutzmaßnahmen sind zu treffen.

          Informationsquellen             

·        Sicherheitsdatenblätter

·        Herstellerkataloge und Originaletiketten

·        Chemikalienliste

·        Datenbank "cs"

·        Informationen auf dem WWW-Server des Instituts

·        Arbeitsvorschriften, wiss. Literatur

         Die ermittelten besonderen Gefahren (R-Sätze) und Sicherheitsratschläge (S-Sätze) sind als Bestandteil dieser Betriebsanweisung verbindlich.

 

1.04    Die folgenden Schriften sind vor Aufnahme der Laborarbeiten zu lesen und ihr Inhalt ist zu beachten:

·        Allgemeine Betriebsanweisung

·        weitere stoffgruppen- oder tätigkeitsbezogene Betriebsanweisungen oder Anweisungen

·        Richtlinien für Laboratorien und Unfallverhütungsvorschrift

·        Brandschutzordnung

 

1.05    Gefahrstoffe dürfen nicht in Behältnissen aufbewahrt oder gelagert werden, die zu Verwechslungen mit Lebensmitteln führen können.

 

1.06    Kühl zu lagernde brennbare Flüssigkeiten sowie hochentzündliche und leichtentzündliche Stoffe dürfen nur in Kühlschränken oder Tiefkühleinrichtungen aufbewahrt werden, deren Innenraum frei von Zündquellen bzw. explosionsgeschützt ist.

 

1.07    Sämtliche Standgefäße sind mit dem Namen des Stoffes, den Gefahrensymbolen gemäß GefStoffV und den R- und S-Sätzen (Kurzform) zu kennzeichnen; Gefäße mit einem Fassungsvermögen von mehr als einem Liter sind zusätzlich mit den R- und S-Sätzen im Wortlaut zu versehen.

 

1.08    Chemikalien dürfen nur in der für den Fortgang der Arbeiten notwendigen Menge am Arbeitsplatz bereitgehalten werden; auf die Einhaltung der Mengenbegrenzungen für brennbare Lösemittel im Labor ist besonders zu achten.

 

1.09    Im Labor muss ständig eine Schutzbrille mit Seitenschutz und möglichst mit oberer Augenraumabdeckung getragen werden; Brillenträger müssen eine optisch korrigierte Schutzbrille oder aber eine Überbrille über der eigenen Brille tragen.

 

1.10    Im Labor ist zweckmäßige Kleidung zu tragen, deren Gewebe aufgrund des Brenn- und Schmelzverhaltens keine erhöhte Gefährdung im Brandfall erwarten lässt. Als Oberbekleidung ist ein Laborkittel aus Baumwolle geeignet, er soll den Körper und die Arme bedecken.

 

1.11    Es darf nur festes, geschlossenes und trittsicheres Schuhwerk getragen werden.

 

1.12    Essen, Trinken und Rauchen sowie Schnupfen und Schminken im Labor ist untersagt.

 

1.13    Die in den Sicherheitsratschlägen (S-Sätzen) und speziellen Schutzvorschriften vorgesehenen Körperschutzmittel wie Korbbrille und geeignete Handschuhe sind zu benutzen.

1.14    Mit Chemikalien benetzte Handschuhe sind sofort zu reinigen oder zu entsorgen. Auf keinen Fall dürfen Türen, Schreibtische, Stühle etc. mit verschmutzten Handschuhen berührt werden.

 

1.15    Arbeiten mit giftigen und aggressiven Gasen dürfen nur im Abzug und in den dafür vorgesehenen Räumen (z.B. Stinkraum) ausgeführt werden.

 

1.16    Unbeaufsichtigte Versuche und Versuche über Nacht dürfen nur in Räumen durchgeführt werden, die mit einer automatischen CO2-Löschanlage ausgestattet sind. In diesen Räumen gelten wegen der erhöhten Erstickungsgefahr besondere Vorschriften.

 

1.17    Beim Umgang mit sehr giftigen, giftigen oder ätzenden Druckgasen ist eine Atemschutzmaske mit geeignetem Filter am Arbeitsplatz bereitzuhalten.

 

1.18    Das Labor und die Arbeitsplätze müssen sauber und ­aufgeräumt sein.

 

 

2.  Allgemeine Schutz- und Sicherheitseinrichtungen

 

2.01    Flucht- und Rettungswege sind von abgestellten ­Gegen­ständen freizuhalten.

 

2.02    Bodeneinläufe und Becken-Siphons sind mit Wasser gefüllt zu halten, um die Abwasserleitungen gegen den im Labor ­herr­schenden Unterdruck zu verschließen.

 

2.03    Die Frontschieber der Abzüge sind geschlossen zu halten; die Funktionsfähigkeit ist zu kontrollieren. Defekte Abzüge dürfen nicht benutzt werden.

 

2.04    Feuerlöscher und Löschsandbehälter sind nach jeder Benutzung zum Befüllen, Feuerlöscher mit verletzter Plombe zur Prüfung dem Technischen Betrieb (Raum K 33a, Zentralgebäude Chemie) zu übergeben.

 

2.05    Informieren Sie sich über mögliche Warnsignale (z.B. Feuer­alarm, Anspringen der Löschanlage in den Nachträumen) sowie über den Standort und die Funktionsweise der Notabsperrvor­richtungen für die Gas-, Wasser-, und Stromzufuhr. Eingriffe sind auf Notfälle zu beschränken. Informieren Sie die betrof­fenen Verbraucher. Der Strom sollte möglichst umgehend nach Beseitigung der Gefahr wieder eingeschaltet werden.

 

 

3.  Abfallverminderung und -entsorgung

 

3.01    Zur Verringerung der Mengen gefährlicher Abfälle sollten in Reaktionen möglichst kleine Stoffmengen eingesetzt werden. Der Weiterverwendung und der Wiederaufarbeitung, z.B. von Lösemitteln, ist der Vorzug vor der Entsorgung zu geben.

 

3.02    Reaktive Reststoffe, z.B. Alkalimetalle, Peroxide, Hydride, Anhydride, Säurechloride, Raney-Nickel usw., sind vor der Entsorgung sachgerecht (Angaben hierzu in Praktikumsbüchern oder Firmenkatalogen) in weniger gefährliche Stoffe ­umzu­wandeln.

 

3.03    Lösemittelgemische sind neutral und peroxidfrei abzugeben.

 

3.04    Chemische Sonderabfälle werden in folgenden Gruppen gesammelt:

 

            - halogenfrei Lösemittel und Lösemittelgemische

            - halogenhaltige Lösemittel und Lösemittelgemische

            - Lösemittel und Lösemittelgemische zur Redestillation

            - saure wässrige Lösungen

            - neutrale und alkalische wässrige Lösungen

            - Lösungen, die Schwermetalle enthalten

 

Getrennt gesammelt werden:

Quecksilber, Arsen, Selen, Thallium, Beryllium und deren Verbindungen in fester Form wie auch in Lösung.

 

 

4.  Verhalten in Gefahrensituationen

 

Beim Auftreten gefährlicher Situationen, z.B. Feuer, ­Aus­treten gasförmiger Schadstoffe, Auslaufen von ­Löse­mitteln, sind die folgenden Anweisungen einzuhalten:

 

4.01    Ruhe bewahren und überstürztes, unüberlegtes Handeln ­ver­meiden.

 

4.02    Gefährdete Personen warnen, gegebenenfalls zum Verlassen der Räume auffordern.

 

4.03    Gefährdete Apparaturen und Geräte abstellen; Gas, Strom und ggf. Wasser abstellen (Kühlwasser muss weiterlaufen!).

 

4.04    Verantwortliche (Institutsvorstand, Arbeitskreisleiter) be­nachrichtigen; falls nötig Feuerwehr, Notarzt und Technischen Betrieb alarmieren.

 

4.05    Bei Unfällen mit Gefahrstoffen, die Langzeitschäden ­aus­lösen können, oder die zu Unwohlsein oder Hautreaktionen geführt haben, ist ein Arzt aufzusuchen. Der ­Insti­tutsvorstand und der Arbeitskreisleiter sind darüber zu informieren. Eine Unfallanzeige ist möglichst schnell in der Insti­tuts­verwaltung abzugeben.

 

 

5.  Grundsätze der Ersten Hilfe

 

5.01    Bei allen Hilfeleistungen auf die eigene Sicherheit achten! Falls nötig, möglichst schnell einen Notruf (112) ausführen.

 

5.02    Personen aus dem Gefahrenbereich bergen und an die frische Luft bringen.

 

5.03    Brände, insbesondere Kleiderbrände löschen. Kleiderbrände mit einer Löschdecke, mit Wasser oder mit CO2-Löscher löschen.

 

5.04    Notduschen benutzen; mit Chemikalien verschmutzte Kleidung vorher entfernen, notfalls bis auf die Haut ausziehen; mit Wasser und Seife reinigen; bei schlecht wasserlöslichen Substanzen diese mit Polyethylenglycol von der Haut abwaschen und mit Wasser nachspülen. Nie organische Lösungsmittel verwenden.

 

5.05    Bei Augenverätzungen mit weichem, umkippendem Wasserstrahl (Augendusche) beide Augen von außen her zur Nasenwurzel bei gespreizten Augenlidern 10 Minuten oder länger spülen.

 

5.06    Atmung und Kreislauf prüfen und überwachen.

 

5.07    Bei Bewusstsein gegebenenfalls Schocklage erstellen; Beine nur leicht (max. 10 cm) über Herzhöhe mit entlasteten Gelenken lagern.

 

5.08    Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung zunächst die Atemwege auf Fremdkörper hin untersuchen und diese gegebenenfalls entfernen, dann in die stabile Seitenlage bringen, sonst Kopf überstrecken und bei einset­zender Atmung in die stabile Seitenlage bringen, sonst - unter Pulskontrolle -  sofort mit der Beatmung beginnen. 

 

5.09    Blutungen stillen, Verbände anlegen, dabei Einmalhandschuhe benutzen.

 

5.10    Benachrichtigung des Arztes sicherstellen. Angabe der Chemikalien möglichst mit Hinweisen aus Betriebsanweisungen, Sicherheitsdatenblättern oder sonstigen Quellen sicherstellen. Unbedingt Telefonnummer mitgeben, bei der der Arzt im Zweifelsfall rückfragen kann.

 

5.11    Zur Ersten Hilfe bei kleinen Verletzungen dienen die Erste-Hilfe-Kästen; Blutungen stillen, Verbände anlegen, dabei die Einmalhandschuhe aus dem Erste-Hilfe-Kasten benutzen. Eintrag in das Verbandsbuch nicht vergessen! Im Zweifelsfall sollte eine fachkundige Wundversorgung in der Unfallklinik oder beim Durchgangsarzt erfolgen.

 

5.12    Verletzte Personen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht alleine lassen.

 

5.13    Rettungsdienst ins Gebäude einweisen.


6.  Notruf

 

6.01 Polizei, Feuer, Unfallrettung: 112 (von allen Apparaten)

 

6.02 Machen Sie bei einem Notruf folgende Angaben:

 

            Wo geschah der Unfall?             Ortsangabe (z.B. Institut für  Organische Chemie, Am Hubland,
                                                           4. Stock, Nordseite, Labor 404)

            Was geschah?                          Feuer, Verätzung, Sturz, usw.

            Welche Verletzungen?              Art und Ort am Körper

            Wie viele Verletzte?                 Anzahl

            Warten bis die Rettungs-          niemals vorher auflegen;
            leitstelle das Gespräch              es können wichtige Fragen zu
            beendet hat.                             beantworten sein.

 

6.03 Zugelassene Unfall-Krankenhäuser:

         Chirurgische Universitätsklinik,  Josef-Schneider-Str. 2, Tel. 201-0 (intern 18-0)

         Juliusspital-Chirurgische Klinik, Juliuspromenade 19, Tel. 393-0

         Missionsärztliche Klinik, Salvatorstr. 7, Tel. 791-0  

 

7.  Giftnotruf

 

            Giftinformationszentrale der Medizinischen Klinik 2

            Klinikum Nürnberg Nord

            Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1

            90340 Nürnberg

 

            Tel.: 0911-398 3478 oder 0911-398 2451

            Fax: 0911/398 2192

 

8.  Feueralarm

 

·      1 Minute Klingelton

·      Entstehungsbrand mit Eigenmitteln löschen (Feuerlöscher, Sand), dabei auf eigene Sicherheit achten.

·      Panik vermeiden.

 

Wenn notwendig:

·      Arbeitsplatz sichern

·      Strom nur wenn unumgänglich abschalten

·      Gas abschalten

·      Gebäude auf kürzestem Weg verlassen,

·      Sammelplatz: zwischen Brunnen und Volleyballfeld

·      keine Aufzüge benutzen

 

Personenschutz geht vor Sachschutz

 

Würzburg im Mai 2005